Ausgabe

IM HOLZ

No. 39 | 2021/1

«Obacht Kultur» N° 39, 2021/1  geht in den Wald.

Auftritt: Andrea Corciulo;
Bildbogen: Salome Lippuner;
Umschlag: Hans Schweizer;
Texte: Leo Tuor, Noëmi Brüggemann, Zora Debrunner u.v.m.

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Thema

Das Paradies erwandern. Im Wald mit Laura Signer

Von ihrer längeren Reise durch Indonesien und Thailand 2019 nimmt Laura Signer ein prägendes Walderlebnis mit nach Hause: ein verlassenes Stück Welt, rau, weglos, menschenleer, natürlich auch keine Abfallkübel, nirgends. Das Paradies! Sie erwandert es. Zum Festhalten im steilen Gelände müssen Wurzeln herhalten. Quellen, Wasserfälle – alles von einer unvorstellbaren Schönheit. Sie empfindet die Erfahrung als traumhaft und verspürt auch keine Angst. Im Gegenteil: Sorglos schwimmt sie im tiefblauen Wasser, bahnt sie sich Wege durch das Dickicht. Gleichzeitig sei ihr die eigene Unbedarftheit bewusst gewesen. Aber die Lust an diesem wilden Wald im fernen Land überwog. Wie anders der Wald ihrer Kindheit, ihrer Herkunft! Alles ordentlich, vertraut, die verlängerte Stube, ein Spielplatz, von den Förstern gepflegt, die auch umgestürzte Bäume gleich wieder wegräumen, und die Küche ist die Feuerstelle. Dennoch sei sie stets ängstlich gewesen damals, auf Bäume klettern habe sie andern überlassen und sich auch vor dem Stürcheln über Wurzeln und Steine gefürchtet. Lieber habe sie mit Moos und Rinden gespielt oder dem Farn zugeschaut, das Schattenspiel des Blätterwerks beobachtet. Erst nach der Rückkehr aus Holland 2017, wo sie sieben Jahre lange gelebt und sich auch zur Künstlerin und Fotografin hat ausbilden lassen, entdeckt sie den Wald zuhause neu, sowohl als Erholungsraum wie auch als wichtige Inspirationsquelle. Die Fotokamera ist stets dabei, um etwas, das ihr wesentlich scheint, besondere Lichtverhältnisse zum Beispiel, festzuhalten. Der Fotoblick schärfe die Wahrnehmung, ist sie überzeugt. Und schenkt Zeit. Ihre Inszenierungen als Künstlerin kreisen denn auch um das Verhältnis verschiedener Naturen, die Kombination und Wechselwirkung von Natur drinnen und Natur draussen und was Künstlichkeit und Natürlichkeit miteinander anzufangen wissen. Gerne nimmt sie den Wald als Freilichtstudio für ihre ganz besonderen Stillleben, in denen Fremdkörper in der Natur durch die Kombination Geschichten zu erzählen beginnen. Ein Satz ihrer Mutter, der sie bereits als Kind beeindruckt hat, klingt noch immer nach und begleitet sie: Die Natur will überall Wald machen. Nature takes it all back. Das hat etwas Beruhigendes. Und dürfte auch beim Walderlebnis in Indonesien im Rucksack mit dabei gewesen sein. ubs

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