Ausgabe

KUNST UND BAU

No. 41 | 2021/3

«Obacht Kultur» N° 41, 2021/3 erforscht Kunst und Bau.

Auftritt: Anna Diehl;
Bildbogen: Thomas Stricker und Ueli Frischknecht;
Umschlag: Markus Müller;
Texte: Jessica Jurassica, Tanja Scartazzini, Maria Nänny u.v.m.

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Thema

Dafür? Dagegen? Im Dialog!

von Kristin Schmidt

In einer Tour d‘horizon kann anhand realisierter oder im Entstehen begriffenen Kunst-und-Bau-Projekte im Appenzellerland und von Appenzeller Künstlerinnen und Künstlern Einblick genommen werden in die unterschiedlichsten Themen rund um Kunst und Bau. 15 verschieden Involvierte haben aus wechselnden Blickwinkeln Fragen beantwortet und ihre Beobachtungen, Erfahrungen, Wünsche und Befürchtungen formuliert.

Malerei und Plastik – lange Zeit und fast ausschliesslich bewegte sich die Kunst innerhalb dieser beiden Felder, auch dann, wenn sie an Bauten eingesetzt wurde. Fresken oder Bauplastik erfüllten in Kirchen und Profanbauwerken einen repräsentativen oder didaktischen Auftrag: Wer nicht lesen konnte, erfasste die Botschaft der Bilder und Skulpturen. Wer lesen konnte, ebenfalls. Der Auftrag an die Kunst hat sich gewandelt und damit auch ihre Verbindung zur Architektur. Beide Gattungen sind weniger eng und nicht mehr selbstverständlich verflochten. Wichtig sind sie füreinander dennoch, die Gründe sind auf beiden Seiten vielfältig.

Funktionale Kunst
Elisabeth Steger Vogt, seit dem vergangenen Jahr Rektorin der Kantonsschule Trogen, hält ein flammendes Plädoyer aus der Sicht der Nutzerin: «Bei uns hat Kunst einen hohen Stellenwert, sie gehört zur Grundbildung und ist ein gleichwertiges Fach wie andere. Wenn wir Kunstwerke an Ort und Stelle haben, ist das Teil unseres Selbstverständnisses als Bildungsinstitution. Die Kunst löst Fragen aus, die Jugendlichen sollen ihre kritischen Stimmen äussern». Schulbauten, Kirchen, Verwaltungsgebäude – Künstler und Künstlerinnen denken den Zweck der Bauten in ihren Entwürfen mit. Harlis Schweizer aus Bühler hat beispielsweise für die Wohnüberbauung «Rosenaupark» in Herisau ein fünfteiliges Wandgemälde konzipiert: «Das Bauprojekt ermöglicht Wohnen im Alter. Viele Menschen vom Land leben dort. Dieses Publikum habe ich mitgedacht. Das Wandbild ist dauerhaft, du kannst es nicht einfach abhängen oder ein Tuch drüberbreiten.» Entstanden ist eine Arbeit, die sowohl farblich als auch inhaltlich den strengen Betonkörper akzentuiert.

Der in Teufen aufgewachsene Künstler Markus Müller hat für die Primarschule Teufen einen Tisch entworfen: «Er steht auf dem Pausenhof und bezieht sich auf das geschindelte Haus. Er kommentiert die Architektur und knüpft an die Vorstellung an von Kindern, die unter dem Tisch spielen.» Der Tisch ist Spielort, Pavillon, gestaltet den Aussenraum und verändert den Blick auf das Gebäude. Sowohl die Bestimmung des Baus als auch seine Architektursprache sind Markus Müller wichtig: «Kunst hat die Chance, einen Kommentar zu Architektur abzugeben. Aber auch Funktionalität ist nicht ausgeschlossen.» Ein anderes konkretes Beispiel liefert der Heidener Rolf Graf: «Beim Neubau für das Zentralschulhaus in Speicher gab es ein akustisches Problem. Ich habe Wildlederhäute von Kühen auf die Wand gebracht, nun funktionieren Singsaal und Aula. Im Idealfall komme ich mit dem Blick von aussen auf eine Idee, die dem Bau zuträglich ist oder etwas verbessert.» So ein Blick von aussen bereichert auch das Zeughaus Teufen und die Grubenmann-Sammlung, so Kurator Ueli Vogt: «Christian Kathriner hat die Architektur verstanden. Er sucht keine originelle Lösung, sondern denkt in baupraktischen Zusammenhängen. Seine Arbeit erklärt das Haus und zeigt es vertiefter: Die Trajektionslinien lassen sich als geometrisches Muster lesen – so werden sie sogar von der Fahrschule genutzt. Sie funktionieren auch als ornamental gestalteter Vorleger des Hauses oder als Zeichnung, an der man Inhalt und Statik des Gebäudes erklären kann. Ideal ist es, wenn Kunst und Baukunst auf Augenhöhe funktionieren und in einen Dialog treten.»

Künstlerische und architektonische Lösungen
Von der Architektenseite her klingt das ähnlich: «Als Architekt will man etwas Spezifisches erreichen; auch im Werk der Künstlerin ist das so. Gute Kunst kann mit dem Bau eine Synthese bewirken und so einen spezifischen Zweck erfüllen; Architektur basiert auf einem funktionalen Nutzwert. Die Kunst kann sich besser ins Leben integrieren, wenn sie funktionale Aspekte aufnimmt», sagt der Herisauer Architekt Peter Hubacher. Gemeinsam mit Eva Keller restauriert er derzeit die Kirche Herisau: «Wir konnten alleine mit architektonischen Massnahmen den Durchgang zur Seitenkapelle nicht befriedigend gestalten. Deshalb haben wir der Gemeinde Herisau vorgeschlagen, den Künstler Markus Müller einzuladen». Entstehen wird eine verglaste Metalltüre mit einer Schwarzlot-Spray-Schablonen-Technik. Das Motiv wird sich zwischen Abstraktion und illusionistischer Architekturmotivik einpendeln.

Einbezogen wurde ausserdem Fredi Altherr mit seiner denkmalpflegerischen Sicht: «Wenn ein Bau 200 Jahre alt ist, umgebaut oder renoviert wird und eine neue Nutzung erhält, ruft dies nach neuen Bauteilen. Das kann ein neuer Beleuchtungskörper sein, ein Abendmahlstisch oder die Tür zu einer Nebenkapelle wie jetzt in der Kirche Herisau.»

Der Vorraum zur Kirche wurde neu strukturiert – eine Wand aufgeschnitten – dafür brauchte es zwei Betonsäulen. Die Architekten haben hier mit Markus Müller einen gesprayten Farbverlauf für die Säulen entwickelt. Ein Direktauftrag wie bei diesem anspruchsvollen Projekt, ist allerdings die Ausnahme, wie Hubacher erklärt: «Ich habe lieber eine Bandbreite von Ideen, statt direkt einzuladen».  

Das beste Vergabeverfahren
Der eingeladene Wettbewerb ist für beide Seiten das ideale Verfahren, so Markus Müller: «Für die Debatte zur Kunst am Bau ist das grossartig. Auch die Juryberichte braucht es unbedingt. Ich studiere sie, um zu sehen, wie andere an die Sache herangegangen sind.» Auch die Künstlerin Vera Marke in Herisau schätzt Wettbewerbe mit drei bis fünf Eingeladenen, und «am Schluss interessieren mich alle Dossiers». Rolf Graf hebt noch einen anderen Aspekt dieses Verfahrens hervor: «Der Idealfall ist: Du wirst eingeladen und weisst, es gibt eine Fachjury und eine Live-Präsentation, bei der Fragen vor Ort und gegenseitig geklärt werden können; und der Entwurf wird bezahlt. Dann kannst du einen Monat oder zwei investieren.» Tanja Scartazzini ist seit Sommer 2021 neue Leiterin des Amtes für Kultur des Kantons St.Gallen und war davor über 20 Jahre als Leiterin der Fachstelle Kunstsammlung des Hochbauamts Kanton Zürich verantwortlich für dessen sämtlichen Kunst-und-Bau-Verfahren. Sie bevorzugt statt offener Wettbewerbe ebenfalls Studienaufträge mit eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern, kennt allerdings auch die juristischen Einwände: «Submissionsrechtlich ist das nicht ganz korrekt. Ab einem gewissen Schwellenwert sollten eigentlich offene Verfahren durchgeführt werden. Das Submissionsrecht geht aber von vergleichbaren Produkten aus: Braucht ein Bau zweitausend Fenster, sollen alle interessierten Fensterbauer Offerten einreichen können, zu welchen Bedingungen sie liefern können. Kunst hingegen ist unvergleichbar. Gesucht wird ja eben das Individuelle und Einzigartige.» Auch die Ausschreibung ist für die Resultate entscheidend: «Bereits bei der Ausschreibung muss das Programm so formuliert werden, dass das Beurteilungsgremium über Werke diskutieren kann und über Inhalte. Dazu gehören auch die Werte des Auftraggebers, wie beispielsweise die Ökologie. Ausserdem hat die Fachstelle Kunstsammlung Kanton Zürich in vielen Fällen aufgehört Perimeter zu setzen. Definiert werden muss eigentlich nur, wo Kunst nicht möglich ist: Wo müssen Fahrzeuge durch? Wo sind Leitungen? Welche Bodentiefe ist möglich? Was gilt denkmalpflegerisch? Mit dieser Offenheit entstehen die besten Lösungen durch gute Ideen,» betont Scartazzini. Auch Kurt Knöpfel, stellvertretender Ausserrhoder Kantonsbaumeister, berichtet gerne von seinen Erfahrungen mit Ausschreibungen und Jurys, die sind durchwegs positiv: «Je nach Grösse der Bauprojekte werden Künstlerinnen und Künstler zu einem Wettbewerb eingeladen und mit einer Pauschale entschädigt. In der Jury vertreten sind jeweils das Amt für Immobilien, die Nutzerseite und die beauftragten Architektinnen oder Architekten. Für uns als Bauherrenvertretung ist die Kunst im gesamten Bauprozess ein kleiner Teil. Wichtig ist aber, möglichst frühzeitig zu wissen, welche baulichen Massnahmen sie erfordert wie beispielsweise Elektroanschlüsse.» Aber nicht überall läuft es so reibungslos, wie ein aktuelles Beispiel aus der Gemeinde Teufen zeigt.

So viel Geld
Pascale Sigg, Vizepräsidentin im Gemeinderat und Leiterin des Ressorts Bau, setzt sich sehr für Kunst am Bau ein, kennt aber auch die Schwierigkeiten: «Das Budget ist der Stolperstein. Wir werden mit Aussagen konfrontiert wie ‹Das Schulhausprojekt ist schon ein Kunstprojekt.› Normalerweise wäre die Kunst im Projektierungskredit enthalten, aber für den Schulhausneubau wurde sie vor der Abstimmung aus Spardruck aus dem Budget gestrichen.» Die Kulturkommission der Gemeinde Teufen nimmt das nicht so einfach hin und hat laut Kathrin Dörig, seit zweieinhalb Jahren Präsidentin der Kommission, «einen Antrag formuliert und einen Sonderkredit beim Gemeinderat eingefordert. Wir haben als Kompromiss 0,5% der Bausumme für die Kunst beantragt. Das hat Chancen im Gemeinderat.» Laut Kathrin Dörig hat Kunst in diesem Umfeld nach wie vor einen schweren Stand und mitunter wird gefragt, «wie kann man das viele Geld rechtfertigen?» Tanja Scartazzini plädiert für neue Lesarten: «Seit den 1950er Jahren ist die Kunst am Bau Mittel und Teil der Kulturförderung. Künstler und Künstlerinnen werden mit substanziellen Beträgen unterstützt, investieren aber auch viel Zeit und Engagement. Ich habe auch schon Sätze gehört wie ‹Zahlt denen doch einfach die 20‘000 Franken aus und Schluss.› Aber viel wesentlicher als das Honorar sind die Sichtbarkeit der Arbeit, das Renommee, das Niederschwellige, die Langlebigkeit.» Letztere sei jedoch im Wandel begriffen: «Zwar hat die Auftraggeberschaft mitunter noch herkömmliche Vorstellungen. Aber Wandmalerei und Bronze sind selten geworden, Künstlerinnen und Künstler arbeiten heute anders und stärker partizipativ.»

Neue Materialien, neue Werkformen
HR Fricker beispielsweise: «Ich ziehe es vor, Kunst mit dem Bau zu machen, statt Kunst am Bau», sagt der in Trogen lebende Künstler. «Ich gebe dem ganzen Gebäude eine zusätzliche Funktion. So habe ich zwanzig Berggasthäuser im Alpstein-Museum-Projekt in alpine Museen umfunktioniert, habe ein Alters- und Pflegezentrum zum Museum für Lebensgeschichten erweitert und einem gemeindeeigenen Gruppenhaus für Seminare und Lager eine zusätzliche Funktion als Kunsthaus gegeben. Es zeigt nun Kunstwerke von Menschen mit Behinderung.» Vera Marke hat im Zusammenhang mit den Renovierungsarbeiten in der Kirche St.Mauritius in Appenzell einen Schatz gehoben: «Ich entdeckte den Dachboden der Kirche, die sogenannte ‹Himmleze›, und dort ein unübersichtliches Sammelsurium ausgemusterter religiöser Objekte und Dinge. Sie waren weder museumswürdig noch fanden sie im Kult Gebrauch, deshalb waren sie gefährdet». Ihre Arbeit «Der Himmel hängt voller Geigen» transformiert die «Himmleze» zum Schaulager, ausgehend vom Konzept der Wunderkammer. Marke fasst dabei ihre künstlerischen Erfahrungen zusammen: «Ich arbeitete mit einem offenen Konzept und bündelte meine Seherfahrungen, das Wissen zu Ikonografie, Kunstgeschichte und Maltechniken». Auch der in Rehetobel lebende Künstler Frank Keller hatte die Idee, sein Arbeitsprinzip mit einem Projekt integral zu verbinden: «Ich arbeitete unter anderem mit Pixelstrukturen. Als die neue Fussballarena in St.Gallen in Planung war, habe ich vorgeschlagen, die ohnehin notwendigen Sitzplätze zu einem Gesamtbild mit Pixelcharakter umzugestalten.» Als die Idee einer stadiongrossen Gänseblümchenwiese im Tagblatt besprochen wurde, diskutierten die Fans das Sujet sehr kontrovers. Das Projekt scheiterte jedoch aus anderen Gründen: «Es handelt sich nicht um einen öffentlichen Bau, für die Kosten hätte ich selber aufkommen müssen.»

Wie frei muss die Kunst sein?
Für einen privaten Auftraggeber konnte Frank Keller trotzdem ein Kunst-Projekt im Pixelprinzip realisieren: «Ich wurde angefragt, ob ich Interesse hätte, ein Badezimmer zu gestalten. ‹Narziss›, ein Internet-Selfie-Fundstück, liess sich als Bild sehr gut mit dem Thema Badezimmer verbinden, mit der Nasszelle, dem Wasser, der Hygiene. Die Farbpalette war vorgegeben, ich konnte sie jedoch erweitern. Auch Art und Grösse der Plättli und das Gesamtformat waren bestimmt, aber ich habe das nicht als Korsett empfunden. Alles, was vorgegeben ist, gibt einen Rahmen.» Vera Marke klingt ebenfalls pragmatisch: «Auch wenn du frei bist, bist du eingeschränkt: Es gibt immer Bedingungen. Bei freien Arbeiten sind das der Blattrand oder die Lichtverhältnisse.» Francisco Sierra, aufgewachsen in Herisau, realisiert für eine Tagesbetreuung in St.Gallen derzeit sein allererstes Kunstprojekt im Baukontext und sieht sich ebenfalls nicht in seiner Freiheit eingeschränkt: «Es reizt mich, im baulichen Kontext etwas Sinnvolles zu entwickeln. Über drei Stockwerke hin wird sich eine Wandmalerei erstrecken, ich verwende dafür Elemente meiner bisherigen Arbeiten. Für mich ist es interessant wegzugehen von der Leinwand, vom Papier, und zu sehen, wie das funktioniert.» Andere Künstler nehmen die Einschränkungen stärker wahr, kennen aber auch die Wege, damit umzugehen. So hält Markus Müller fest, die Kunst müsse viel Rücksicht nehmen auf den Kontext, auf die Öffentlichkeit: «Man ist weniger frei als bei den eigenen freien Arbeiten». Wisse man jedoch, wie vor allem halbprofessionelle Jurys arbeiten, haben geschickt konzipierte Vorschläge grössere Chancen: «Der Perimeter wird oft als ‹frei› definiert, aber wenn die Architekten ‹überall› sagen, meinen sie das nicht unbedingt. Die Erfahrung zeigt, wo es gut funktioniert, etwa bei Restflächen oder Problemstrukturen.» Aber auch dort dürfe sich ein Künstler nicht korrumpieren lassen: «Ich will mich nicht für Projekte schämen müssen, denn sie sind fester Teil meiner Praxis.» Rolf Graf sieht das ähnlich: «Bei Kunst am Bau ist man immer in Kompromisse eingebunden. Sie muss innerhalb bestimmter Parameter entwickelt werden – anders als die freien Arbeiten. Eine gute Idee entwickeln kann ich, weil ich die freien, die Atelierarbeiten mache. Sie stehen für mich vor der Kunst am Bau. Letztere ist immer von Bedingungen und Möglichkeiten abhängig. Ist jedoch eine gute Fachjury involviert, kann es interessante Diskussionen geben.»

Kunst für Generationen – oder für ein Jahr
Ist die Kunst installiert, ist die Arbeit nicht in jedem Falle getan. Francisco Sierra stellt sich die Frage, wie Kunst altert: «Eine gewisse Patina ist durchaus mitgedacht.» Sind Arbeiten jedoch reparaturbedürftig, gibt es kaum Standardlösungen. Kurt Knöpfel berichtet von Roman Signers rotem Kanu auf dem Sportplatz der Kantonsschule Trogen: «Es bewegt sich über ein Drahtseil und Umlenkrollen parallel zur 100-m-Rennbahn genau 27 cm pro Tag und braucht so für die Strecke ein Jahr. Es musste saniert werden, weil es Risse im Beton hatte – es ist stets der Witterung ausgesetzt. Uns war es wichtig, den Künstler für die Restaurierung miteinzubeziehen. Diese Zusammenarbeit war eine sehr gute Erfahrung für mich.» Aber was passiert mit der Kunst, wenn Bauten weichen müssen? Kurt Knöpfel ist klar, mit solchen Themen konfrontiert zu werden: «Bei einigen kantonalen Bauten kommt irgendwann die Phase der Umnutzung. Wenn dann ein Kunstwerk nicht mehr am richtigen Ort ist, müssen wir mit den Künstlern und Künstlerinnen Lösungen finden. Auch über Umplatzierungen oder einen Abbau muss dann diskutiert werden können.» Peter Hubacher kennt das Problem: «Zum dauerhaften Anspruch von Kunst am Bau gibt es immer Diskussionen. Üblicherweise gelten die Urheberrechte bis 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers oder der Künstlerin. Deshalb beginnt die Sorgfaltspflicht bereits beim Auswählen. Ich durfte für das Hochbauamt der Stadt St.Gallen zwei Verträge entwerfen, die im Voraus regeln, ob zum Beispiel ein Kabelkanal oder eine Steckdose ohne Rücksprache neu eingebaut werden kann oder wie lange das Werk Bestand haben soll». Rolf Graf kennt die Standards der Visarte über den zeitlichen Anspruch: «Aber dieser Ewigkeitsanspruch ist mir egal. Gute Kunst kann auch sein, die nur einen Monat hält und dann nur noch Spuren zeigt.» Vera Marke erwartet ebenfalls nicht, «dass die Kunst länger lebt als der Bau. Die Kunstgeschichte lehrt uns den Wandel: Es wurde immer gebaut, übermalt, erweitert, angepasst. Mich interessieren die Transformationen und Prozesse.» Die Kunst im öffentlichen Raum steht in einem sich ständig verändernden Spannungsfeld. Wenn sie sich gut positioniert, kann sie darauf selbst Einfluss nehmen.

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